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Trailerpark – Crack Street Boys 2

Wir sind nicht K.I.Z“ müssen die Jungs von Trailerpark in letzter Zeit des öfteren klarstellen.
Dieser Vergleich findet auf Grund der provokanten und von schwärzestem Humor geprägten Texte allerdings durchaus seine Berechtigung.
Basti DNP, Sudden und Timi Hendrix sind längst für ihre harten lines bekannt – dennoch schaffen sie es,
zusammen mit Alligatoah, dem Neumitglied der Wohnwagensiedlung, im aktuellen Album „Crack Street Boys 2“ noch einen drauf zu setzen.

So wird man gleich zu Beginn von den Crackstreet Boys aufgefordert: „Hebt die Spritzen in die Luft | jetzt setzt sich jeder Fixxer hier ’nen Druck„.
Denn auf einem Tripp lässt sich doch der Tag viel besser genießen – oder um es in Alligatoahs Worten zu sagen:
langsam geht die Sonne auf im Garten | was für ein Wunderschöner Tag um eine Frau zu schlagen„.

Natürlich gilt hier – wie auf dem Rest des Albums – die Texte nicht allzu ernst zu nehmen.
Wer das tut, sollte die CD schnell los werden und zurück auf Omas Schaukelstuhl neben den Plattenspieler flüchten.
Alle anderen dürfen dem perfekten Mix aus purem Sarkasmus und gesellschaftlichen No-Goes weiter ihre volle Aufmerksamkeit schenken.

Die nächste Haltestelle ist das „Fledermausland„. Doch sind wir wohl nicht auf Gleisen unterwegs,
denn „bei uns siehst du keine Züge durch die Gegend fahren | doch wir warten ungeduldig auf die nächste Bahn„.
Herrliche Wortspielerei, die garkein Ende findet: „Kannst du die Berge nicht erreichen – hol den Schnee zu dir„.
Die erste Hook mit Ohrwurmfaktor – von deren Sorte noch einige folgen werden.
Hier bestätigt sich bereits schon früh der geniale Schachzug der Trailerpark-Crew, Alligatoah mit ins Boot zu holen.
Er schließt mit seinem wunderbar ironisch klingendem Gesang den Kreis perfekt ab und sorgt quasi,
auch für eingefleischte Fans der Wohnwagen-Clique, für das I-Tüpfelchen in den Tracks.
Übertroffen wird die Hook aus „Fledermausland“ eigentlich nur noch von der perfekten Gesangseinlage Alligatoahs im Song „Schlechter Tag„.

An dieser Stelle muss ich gestehen, es ist wohl nicht all zu schwer, meine langjährige Liebe zum singenden Rapterroristen herauszuhören.

Weiter geht es mit Titel fünf. In gewohnter Manier wird versucht, den Hörer nach einem schlechten Tag wieder aufzubauen:

Die Warnung war zu spät, du kamst unter die Räder, jeder hat mal einen schlechten Tag | Sie sagen du hast Aids, dein Vater Überträger, jeder hat mal etwas Pech gehabt

und die wunderbare Melodie zwingt gerade dazu, bei voller Lautstärke im Auto und mit offenem Fenster mitzuträllern, auch wenn die Rentnerin nebenan an der Ampel beim Hören des Textes etwas skeptisch daherschaut.

 

Auch Sudden möchte uns sein gesangliches Talent präsentieren und legt mit „Pokémonkarten“ einen wunderschönen Schmalz-Track hin.
Wenn man mal über die wenigen nicht getroffenen Töne hinweghört und den Track über sich ergehen lässt,
erzeugt es fast ein intensives Gefühl wie Minute 98 der Hörspielkassette zu Titanic (da stirbt Jack).
Sudden kommt hier einer fiktiven weiblichen Person näher (wobei „fiktiv“ hier nicht als Wortspiel anerkannt werden sollte) und dann, kurz vor’m Höhepunkt:
Doch erst zeig ich dir meine Pokemonkarten! Pikachu, Schiggy, Glurak, Enton – Erste Edition!“

Sehr humorvoll anzuhören, vorallem da man kurz Angst hatte, es gäbe auf diesem Album tatsächlich einen ernstgemeinten Liebes-Track, der jegliche Ironie hinter sich lässt.
Wobei „Liebes-Track“ hier seeehr optimistisch ausgedrückt ist, wenn man Textpassagen wie „Du trägst deine Titten dick und ich zeig dir den Fick-Mich-Blick“ zu hören kriegt.

Timi Hendrix bietet natürlich auch einiges auf diesem Album, jedoch tue ich mich persönlich oft sehr schwer,
ihn akkustisch zu verstehen, was auf Dauer sehr anstrengend ist. Vielleicht liegt das aber auch nur an meinen verstopften Dumbo-Ohren.

Auf die anderen Tracks werde ich nicht genauer eingehen, da ihr euch ja auch selbst ein Bild machen sollt.
Besonders zu erwähnen ist aber sicher noch der Track „U-Bahn-Schläger“ – der von niemand geringeren als K.I.Z
(also quasi den großen Brüdern der Trailerpark-Rasselbande) gefeatured wurde. Eine explosive Kombination,
deren daraus resultierenden provokanten Texte gerade zu nach politischer Ablehnung verlangt.

Fazit:
Fans des schwarzen Humors und provokanten Raps â la K.I.Z, Favorite oder auch 257ers kommen mit diesem Tape voll auf ihre Kosten!
Wer Trailerpark schon länger feiert und skeptisch gegenüber der Verpflichtung von Alligatoah war (warum auch immer), braucht keinerlei Sorgen zu haben;
Alligatoah ergänzt die kaputte Truppe so perfekt, wie es sich kein schizophrener Pinselkünstler je hätte ausmalen könnnen.

Für mich persönlich ist „Crack Street Boys 2“ das beste Deutsch-Rap-Release, seit Hahnenkampf.
Allerdings feier ich auch fast ausschließlich diese kranke Scheiße

Von mir ganz klar eine Bewertung: 5 von 5

Um euch einen kurzen Einblick in die Welt von Trailerpark zu verschaffen, empfehle ich folgendes Video:

 

Tracklist:
01. Wall Of Meth
02. Fledermausland
03. New Kids On The Blech
04. Superstars
05. Schlechter Tag
06. Pokémonkarten
07. Selbstbefriedigung
08. Fahrerflucht
09. Oer-Erkenschwick
10. Alles für ein Shirt
11. Immer noch egal
12. U-Bahn-Schläger (feat. K.I.Z. & Massimo)
13. Rolf (feat. Dana)

 
Danke für eure Aufmerksamkeit… oder zumindest für’s überfliegen des Textes… oder wenigstens für das Lesen dieses Satzes hier.

Georg

KOMMENTARE: 2
  1. Oktober 31, 2012 by AKKTIMEL Antworten

    Geiles Album KAUFPFLICHT!

  2. Oktober 31, 2012 by David Antworten

    Timi ist Bombe auf dem Album! „Wer hat sich letzte Nacht in’s Bett gekackt?! ICH!“

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