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Reload 2011 – Sulingen

Autor: Jan / Thorsten

Fotograf: Jan

Auch 2011 haben die Veranstalter des RELOAD-Festivals einen Haufen klanghafter Namen des Metal-Genres im niedersächsischen Sulingen versammeln können und wieder einmal bewiesen, dass es halt nicht nur die Größe macht. Zumindest nicht was die Anzahl der Besucher angeht. Bei wem das Rock am Ring oder auch Wacken zu den  Standard-Terminen zählt, ist immer wieder überrascht, wenn trotz großer Headliner a la Limp Bizkit, Hatebreed, Papa Roach und Co. und einem fairen Ticketpreis von ca. 60-70€  nur etwa 3000 – 4000 Besucher abends vor der Bühne präsent sind. Aber dies muss ja nichts negatives bedeuten – Im Gegenteil. Kein langes Anstehen an den Bierständen, kein stundenlanges „ Füße platt treten“, um seine Lieblingsbands aus den ersten Reihen zu sehen, all das macht es zu einem entspannten Event. Dennoch brannten die schätzungsweise insgesamt 7000 Festivalbesucher, eine ordentliche Party ab und ließen es auch jenseits der Bühne ordentlich abgehen.

Einziger Wermutstropfen war das Wetter. In gemütlicher Bierrunde am Zeltplatz, flog gern mal ein halber Pavillon durch den Wind an einem vorbei, oder es regnete einfach mal stundenlang wie aus Eimern. Das hatte zur Folge, dass sich die Sonne nur selten ihren Weg durch die Wolken durchkämpfte.

Freitagnachmittag, mit noch annehmbaren Wetter, eröffneten PAY NO RESPECT unangemeldet das Festival, welche einfach mal durch die Tour mit Blood for Blood in das Lineup mit reingerutscht sind. Planmäßig ging es dann weiter mit den Lokalmatadoren R.Y.O.T., die eindeutig davon profitierten, als zweite Band zu spielen. Denn es ließen sich schon einige Headbanger vor der Bühne zählen.

Für das erste große Aufhorchen, sorgten dann die Jungs von EMIL BULLS, die mit ihrem modernen Sound genau den Geschmack des Publikums trafen und ordentlich Sympathie aufbauen konnten. Vor allem die Coolnes bei einem Tonausfall, einfach mal den kompletten Song, auch ohne die Bühnenboxen durchzuziehen, war sehr unterhaltsam.

Um kurz nach 18 Uhr betraten dann FIDDLERS GREEN die Bühne, die trotz Stilbruch für ordentlich Stimmung sorgten. Stimmung war auch das Stichwort für die folgende Band: SKINDREAD! Die Sympathischen Musiker und Frontmann Benji Webbe, zündeten ein Feuerwerk nach dem anderen ab. Sie sorgten mit ihrer Mischung aus Reggae und Metal mit Hip-Hop Elementen für eine erstklassige Stimmung.

Dann zog der Hardcore ins Haus. Als erstes kamen die Jungs von TERROR auf die Bühne gestürmt, die Ihre Setlist in die Menge schmetterten, als würde ihr Leben davon abhängen. Gerade Songs wie „Keepers of the Faith“ wurden vom Publikum abgefeiert. Dieses sorgte für  ordentlich Karambolage vor der Bühne. Auch BLOOD FOR BLOOD konnten im Anschluss für weitere Pits vor der Bühne sorgen. Es flogen ordentlich die Fäuste und Füße bei den Anhängern, wobei der Großteil des Publikums schon auf den Headliner des abends wartete. Die ganz Großen im Hardcore-Geschäft: Hate fuck’n breeds now!

Um Punkt 23:30 stürmen Jamey Jasta und seine Jungs von HATEBREED auf die Bühne und eröffneten mit „Everyone bleeds now“ den Pit. Ab der ersten Note,  flippten die ersten Reihen völlig aus und heizten die Stimmung mit ihrem Violent Dancing bis aufs Maximum. Songs aus den Scheiben „Supremecy“ und „The Rise of Brutality“ sind immer noch echte Dauerbrenner, die mit einer Wahnsinns Soundwand brutal nach vorne geschmettert wurden. Nach 1 ½ Stunden verließen Jamey und Co. mit dem Rausschmeißer „Life for  this“ die Bühne. Perfekter Abend!

Samstag

Auch Samstag schien die Wettersituation sich nicht zu entschärfen. Das schreckte Anhänger der regionalen Metalfraktion UNTIL I SLEEP und WATCH OUT STAMPEDE nicht ab, schon Mittags ordentlich Gas zu geben.

Mit DAMPFMASCHINE trat dann ein etwas anderer Akt auf die Bühne. Doch die Osnabrücker schafften eine coole Party-Atmosphäre und brachten das zwar noch etwas dünn angesiedelte Publikum, dennoch ordentlich zum Abfeiern.

Auch als GHOST INSIDE und DEEZ NUTZ auf die Bühne traten, blieben viele in ihren Zelten hocken. Das Wetter wechselte nun in Dauerregen und so langsam wirkten einige leicht frustriert, die schutzsuchend an den Bier- und Futterstationen unterstanden. Dennoch brannten beide Bands eine klasse Show ab und gerade DEEZ NUTZ konnten mit ihrem fetten Party-Hardcore ordentlich für Aktivität vor der Bühne sorgen. Besonders Songs wie „Stay true“ und „I hustle everyday“ brachten ordentlich Spaß. Das Publikum schwitzte, trotz kalter Nässe….

Auch unter Dauerregen, traten die Hamburger 4LYN auf die Bühne und brachten mit ihrem Crossover, dennoch gute Laune rüber. Vor der Bühne wurde es trotz Überschwemmung immer voller. Ein gelungener Auftritt, der mal wieder für etwas Abwechslung sorgte.

Doch nun zu einen der Höhepunkte des abends: Um 22 Uhr  betraten ILL NINO die Bretter und machten mit dem Opener „My Resurrection“ gleich Nägel mit Köpfen. Der Latino-Nu Metal kam super an und die Menge bewegte sich zum fetten Sound der Musiker aus New Jersey. Zu Klassikern wie „I’m Loco“ und „What you deserve“. Ein mehr als würdiger Warm up für den Headliner. Und der heißt:

LIMP BIZKIT! Sie waren 2009 bereits für ein Paar ausgewählte Gigs in Deutschland. Doch nun mit dem neuen Dauerbrenner „Gold Cobra“ im Gepäck, war man gespannt, was Wes und Fred präsentieren werden. Vor der Bühne, war es das erste Mal, mit schätzungsweise 6000 Leuten, so richtig voll. Nach einer halben Stunde Warten, fielen dann auch endlich die Vorhänge und Wes Borland begann mit dem Riff zu „Hot Dog“. Mit den Standard Greatest Hits wie „My Generation“, „Break Stuff“ und „Nookie“ wurde jeder Wunsch der Fans erfüllt. Als dann aus der „Gold Cobra“ Platte „Douche Bag“ gespielt wurde, wurden Fred und Co. bis in die letzte Reihe gefeiert. Wes sprang dabei pausenlos mit seiner Gitarre quer über die Bühne und gab sein Bühnenoutfit, mit beleuchteter Taucherbrille, zum Besten. Nicht nur der Sound, sondern auch die Optik stimmten. Mit kleinen Spielereien (unteranderem den Titelsong Axel F. von Beverly Hills Cop), sowie spontanen Einlagen von DJ Lethal, brachten Limp Bizkit gewohntes Party-Feeling. Auch das oft belächelte „Behind Blue Eyes“ , brachte eine willkommene Pause zum Durchatmen. Mit “Rollin” beendeten Limp Bizkit, trotz Zugaberufe, den Gig schlagartig. Dieses verwunderte einwenig und kam nicht so gut bei den Fans an. Dennoch, für einen kleinen Festival-Gig, geht das bei einer Band wie Limp Bizkit gerade noch in Ordnung. Gute 10 Minuten vor offiziellen Spielende ist damit also Schluss. Dennoch lieferten Fred und Co., über eine Stunde, eine super Show, mit gewohnt gutem Sound und merkbarer Freude am Spielen. Auch wenn Wes schon länger wieder im Nu-Metal Verein spielt, merkte man Limp Bizkit die Freude über den Erfolg der neuen Scheibe durch die Spielfreude deutlich an.

Sonntag

Die letzten Reserven wurden aufgebraucht, um heute das Endprogramm anzuschauen! Wer die Überbrückungszeit von Band zu Band verkürzen wollte, hatte die Möglichkeit auf dem Festivalgelände an reichlich Fast Food Buden und Merchandising Ständen, den eigenen Geldbeutel zu erleichtern. Autogrammstunden waren ehr rar.

Der Opener für diesen Sonntag heißt Your Coloful Black Eyes.  Die fünf Twistringer setzten das Beste an, um nicht vor leerer Bühne zu spielen. Denn der Wetter-Gott war, auch leider an diesem Tag, nicht auf unserer Seite.  Nach einer knappen halben Stunde Spielzeit, löste die  Punk Band Mr. Irish Bastard ab. Deren Programm war sehr unterhaltsam und es machte Spass sie anzuschauen.  Und bei „I smell the Blood“, durfte auch nicht die Flöte, das Akkordeon und das Banjo zur optimalen Stimmung fehlen.

Nach einem kurzen Intro, legten FOZZY mit “To kill a stranger” direkt mit Vollgas drauf los. Dicht gefolgt von “Matyr no more”, dem ersten Kracher vom aktuellen, 2010 veröffentlichten Erfolgsalbum “Chasing The Grail”. Das Publikum war guter Dinge und hatte von Anfang an Bock auf die Band und den Auftritt, sodass es diesen bis zum Ende ordentlich würdigte und abfeierte. Auch die Texte waren vielen der Anwesenden sehr gut bekannt und die Fozzy-Hymnen wurden lauthals mitgesungen. Ein Glück, dass Frontmann Chris Jericho den Beruf „Wrestling Star“ aufgab und die Band FOZZY ins Leben gerufen hat.

Nach diesem Metal-Spektakel stand eine Band auf der Bühne, deren Bandnamen aus der obersten Stufe der Schönheit und dem Stereovolumen besteht. Die Rede ist hier von Luxuslärm. Die fünf Freunde der Pop-/Rock Band schafften es im letzten Jahr von Null auf Hundert. Frontfrau Jini stand wieder mit ganzer Power hinterm Mikrofon. Chartklassiker wie „Leb deine Träume“ , „Unsterblich“ oder „Nichts ist zu spät“ blieben da nicht aus. Nach zwei Zugaben und 45 Minuten später war auch schon die Show vorbei.

Daniel Wirtz eröffnete mit “Ne Weile her”, von seinem letzten Studio Album die Stage. Darauf folgte „Wo steh ich“ und „Richtig Weh“.  Der sympathische Deutsch-Rocker animierte die Fans, zum Mitsingen und Feiern! Die Band spielte das komplette “Zeugen”-Album runter und sorgte sichtlich für Begeisterung.
Ein Liveact, der wahrscheinlich genauso wie Luxuslärm, nicht ohne Grund zum zweiten Mal in Folge, auf dem Reload spielen durfte. Ich hoffe alle guten Dinge sind drei!

Die melodische Death Metal Band aus Schweden betrat die Bühne des Reloades. Von SOILWORK ist hier die Rede.  Die Band animierte das Publikum zur Circle Pits. Die Schweden spielten wie von Platte  – einfach perfekt. Soilwork ist und bliebt eine meiner Lieblingsbands im Bereich Liveperformance.

Es brach die Nacht herein und die Stage gehörte eine volle Stunde der Band AF, oder auch Agnostic Front genannt. Auch kein Wunder, denn dies war die vorletzte Band des abends und somit auch für das Festival. Deshalb waren die Erwartungen gross. Gründungsmitglied, Roger Miret, weiß noch wie man mit 47 Jahren auf der Bühne sprichwörtlich die „Sau raus lässt“. Die Show war ganz im Focus des neuen Albums „My Life My Way“. Die US Hardcore Punk Band spielte natürlich auch Zugaben und gab Songs wie „For My Family“ oder „Warriors“, die zu jedem Live Auftritt der Jungs dazu gehören, zum Besten.

Die Erwartungen groß – der Boden nass – und der Platz voll – der Headliner Papa Roach setzte dem Schweigen ein Ende. Mit voller Emotion starteten sie mit „Getting away with Murder“ und schlugen einem mit diesem Song ein Brett ins Gesicht. Gefolgt von „Burn“ bis hin zu „One Track Mind“, spielten sie alles was der Fan hören wollte. Volle 12 Songs, plus drei Zugaben: „Scars“, „Dead Cell“ und natürlich „Last Resort“. Die Band konnte sich hören und sehen lassen. Das US-Quartett setzte dem Reload mit diesem Auftritt wirklich das Sahnehäubchen auf!

Nach diesem würdigen Abschluss des Reload Festival, kann man insgesamt von einem durchaus gelungenen Festival reden. Der neue Standort Sulingen, hat das Festival mehrere Klassen hochgehoben. Im letzten Jahr noch in Twistringen „versteckt im Wald“, ist Sulingen leicht und schnell von der  Autobahn zu erreichen.
Sogar ein Shuttlebus-Service wurde täglich angeboten von Wilkens bzw. Twistringer Hauptbahnhof.  Sehr gut, war die Bandauswahl, die Größe des Festivals, die Atmosphäre unter den Besuchern, die Leistungen der Bands und vor allem der Sound. Ausreichend Sanitäre- Einrichtungen, gute Park- und Campingmöglichkeiten und zahlreiche Fast Food Buden. All diese Faktoren rundeten das Festival organisatorisch perfekt ab.
Trotz Wetterflaute war das Reload ein tolles Erlebnis und wird mir in schöner Erinnerung bleiben. Daher kann ich das Festival auf jeden Fall weiterempfehlen und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt: „Drei Tage viel gute Musik, Spaß, Bier und Partystimmung“.

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