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Trashmonkeys

Autorin: Ramona

TRASHMONKEYS (GUNNAR RIEDEL)

Art: FACE TO FACE
Datum: 26.03.2009

DARF ICH VORSTELLEN: ANDREAS WOLFINGER SÄNGER UND GITARRIST, AM KEYBOARD UND EBENFALLS AN DER GITARRE OFFER STOCK, BASSIST DAZ FRALICK, DRUMMER GUNNAR RIEDEL UND GITARRIST DENNIS RUX. UND ZUSAMMEN SIND SIE DIE TRASHMONKEYS!!!

GEGRÜNDET HAT SICH BREMENS BEKANNTESTE BAND 1998 UND WAR VORERST NUR IM AUSLAND BEKANNT. AM 3. APRIL ERSCHEINT IHR FÜNFTES ALBUM „SMILE“, WELCHES DURCH SEINEN UNBESCHREIBLICHEN, FETTEN UND SEHR ABWECHSLUNGSREICHEN SOUND EIN ABSOLUTER LECKERBISSEN IST. AM SPÄTEM ABEND TREFFE ICH SCHLAGZEUGER GUNNAR IN EINEM CAFÉ IM VIERTEL/ BREMEN. DURCH SEINE FREUNDLICHE UND NATÜRLICHE ART HERRSCHT EINE ANGENEHME UND ENTSPANNTE ATMOSPHÄRE.

WIE WÜRDEST DU EURE MUSIK BESCHREIBEN?

Es gibt ja diese klassischen Schubladengeschichten in die wir natürlich auch immer wieder gerne rein gesteckt werden, dann heißt es oft Pop/ Rock/ Indie Band.

WAS UNTERSCHEIDET EUER NEUES ALBUM „SMILE“ VON EUREN VORHERIGEN WERKEN?

Die ersten beiden Alben waren reine Hammond-Orgel Alben und wir wurden häufig als 60’s Band bezeichnet. Unser letztes Album war schon etwas Gitarren orientierter, aber „SMILE“ ist es noch viel mehr, da unser Produzent Dennis Rux jetzt als 5tes Bandmitglied und 3ter Gitarrist mit von der Partie ist. Offer, der früher nur Orgel gespielt hat, bewies sich als Multiinstrumentalist und spielt jetzt auch noch Gitarre. Wir wussten gar nicht, wie gut er das kann und waren natürlich sehr überrascht, als er sein Talent unter Beweis stellte. Er wechselt jetzt immer auf der Bühne vom Keyboard zur Gitarre. Dadurch, dass nun drei von uns Gitarre spielen, hat „SMILE“ natürlich ein ganz anderes Gesicht als die letzten Alben.

WIE KANN MAN SICH DIE ARBEIT IM STUDIO VORSTELLEN?

Dennis arbeitet viel mit alten Bandmaschinen und Analogen, aber natürlich auch mit Computern, da ist er ein absolutes Genie drin. Es wird aber zuerst grundsätzlich mit Bandmaschinen aufgenommen, also sehr, sehr old school. Außerdem haben wir live alles zusammen, anstelle step auf step eingespielt. Dies hat Vor- und Nachteile, Fehler kann man zum Beispiel nicht mehr korrigieren, bei Einzelspur kannst du immer wieder neu einspielen. Wir haben somit wie früher aufgenommen und hatten das Glück, dass Dennis mit großem Feuereifer darauf bedacht war, uns aufzunehmen, um zeitgleich für sich eine eigene Visitenkarte abzuliefern. Das war sehr praktisch. Und als ich das Album, kurz bevor es fertig war, dem Beatsteaks-Manager vorspielte, sagte er gleich: „Das will ich haben“.

WIE KAM ES DAZU, DASS DENNIS MIT EINGESTIEGEN IST?

Da habe ich sozusagen die „Katze im Sack“ gekauft. Er hat mich in einem Musikclub mit den Worten „ich wüsste nicht wer er ist, aber er wüsste wer ich bin“ angesprochen und möchte uns das Angebot machen, uns eine Woche lang umsonst aufzunehmen. Ich konnte mir zuerst gar nicht vorstellen, dass es hier in der Umgebung ein gutes Studio gibt, aber letzten Endes war es so, dass er tierisch gut war und wir als Band waren scheiße. Er hat sofort bewiesen, was er für einen geilen Sound aufnehmen kann und wir waren auf Anhieb begeistert.

Dann haben Dennis und ich im Studio das Album gemischt und ich habe ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, in unsere Band einzusteigen, denn mir war bekannt, dass er Gitarre spielt, allerdings noch nicht wie gut und habe mich einfach so von meinem Gefühl leiten lassen. Er sagte sofort „ja“ und ich dachte mir so am nächsten Tag“ Oh Gott was hast du da jetzt bloß gemacht?“, denn ich wusste gar nicht, wie er spielt und normalerweise probiert man es ja vorher aus, bevor man jemanden neues dazu holt. Aber eigentlich war mir total klar, dass er gut sein muss, weil er so gut im Studio agiert hat. Die erste Probe hat er super abgeliefert und von ihm kam das Riff bei „Give that to me“. Dennis ist echt ein cooler Typ.

WAS BEEINFLUSST EUCH BEI EURER MUSIK. SIND DAS ZUM BEISPIEL DINGE AUS DEM ALLTAG?

Textlich schon, musikalisch kann man das schlecht ummünzen, wenn ich jetzt schlechte oder gute Nachrichten sehe, kann ich nicht sagen, dass mich das beeinflusst. Wir machen die Musik, die wir machen können und sind einfach keine Konzeptband. Glücklicherweise ist das, was wir machen, gerade angesagt.

WAS KANNST DU ÜBER DIE GESCHICHTE DER BAND ERZÄHLEN?

Wir machen das jetzt schon fast 13 Jahre. Als Wolfinger und ich die Band gegründet haben, sind wir noch zur Schule gegangen. Wir hatten natürlich auch viele Höhen und Tiefen, aber wir haben sehr, sehr viele tolle Sachen erlebt. Das fing an mit der ersten richtigen LP die gleich bei „Acid Jazz Records“ in London raus gebracht wurde und sich dort und in Italien gut verkauft hat. So konnten wir ein bisschen in England und Italien touren. Da „Acid Jazz“ aber kein Standing in Deutschland hat, sind wir zu „Lado“ gewechselt. Es ist zwar toll, als deutsche Band Platten in England zu verkaufen, aber wenn man diese Platten in Deutschland nicht bekommt, ist das für die Fans und für uns schlecht. Wir haben zwar mit unserem Bassisten einen Engländer in der Band, aber trotzdem leben wir alle hier. Drei von uns in Bremen, einer in Köln und einer in Hamburg und die meisten Gigs spielen wir auch hier in Deutschland. Deshalb mussten wir die Situation ändern und sind zu „Lado“ gegangen, um somit auch hier in Deutschland Fuß zu fassen was auch gelungen ist.

WIE WAR EUER START IN DEUTSCHLAND?

2004/ 2005 ging es für uns in Deutschland los und dementsprechend kennen uns auch viele Leute noch nicht. Daher werden wir auch immer noch als Newcomer gehandelt, das kann aber auch ein Vorteil sein, da man die Möglichkeit hat, neue Leute dazu zu gewinnen. Finde ich auch vollkommen ok, da wir früher viele Sachen, die in Richtung Kommerz gingen, abgelehnt haben und uns einfach nie verbiegen mussten. Mit unserem neuen Label „XNO“ haben wir einen Labelchef, wie man sich ihn wünscht. Er kennt das Geschäft von beiden Seiten einmal als Musiker selber, und auch von der andern Seite, nämlich als Beatsteaks-Manager. Wir sind jetzt erst zwei Monate da, aber ich merke schon, dass es sehr gut läuft.

WELCHER EURER SONGS GEFÄLLT DIR AM BESTEN?

Bei jedem Album ist es wieder ein anderer Song. Im Moment finde ich „What about you“ sehr, sehr stark. Dieser Song ist übrigens erst ganz zum Schluss aufs Album gekommen und wurde auch erst vor vier Monaten eingespielt. Außerdem finde ich auch“ I’m a mess for Rock `n` Roll“ ziemlich geil. Diese Songs sind uns glaube ich besonders gut gelungen. Wir mussten auch einige auf Halde legen, da es sonst zu viele gewesen wären. Mir tut das selbstverständlich auch Leid, da das ganz coole Songs sind, aber das Album wäre dann einfach zu dicht gewesen. Die Lieder sind auf jeden Fall viel zu gut, um sie nicht zu veröffentlichen, mal schauen was wir mit ihnen machen werden.

WER SCHREIBT BEI EUCH DENN DIE MUSIK?

Das machen wir gemeinsam. Wir packen unsere Ideen zusammen und musizieren einfach. Die Texte schreiben hauptsächlich Daz und Wolfinger, dies ist sehr praktisch, da Daz Engländer ist und somit beurteilen kann, ob alles sprachlich passt.

WERDEN WIR EUCH DIESES JAHR AUF FESTIVALS SEHEN DÜRFEN?

Wir haben jetzt schon 20 Festivals für dieses Jahr gebucht. Es wird also sehr viele Festivals geben und wir mussten dafür sogar eine angebotene China-Tour absagen. Leider.

KÖNNT IHR VON EURER MUSIK LEBEN?

Es gibt schon ein paar Sachen, die man gerne nebenbei macht. Dennis hat das Studio und Offer und Wolfinger legen auf und ich mixe nebenbei Cocktails. Es ist also nicht so, dass wir nebenbei nichts anderes machen, es würde das Ganze bestimmt auch kaputt machen, wenn man nur Musik machen würde. Wir sind sozusagen allesamt Lebenskünstler und es gehört einfach mit dazu, noch etwas nebenbei zu machen. Es ist nicht leicht von der Musik zu leben und wir können das auch erst seit ca. zwei Jahren. Und das haben wir unserem relativ guten Live-Geschäft und unserer Promotion zu verdanken.

WAS KANNST DU NEUEN BANDS EMPFEHLEN, DIE AN EUREN ERFOLG ANKNÜPFEN WOLLEN?

Mir tun die neuen Bands echt Leid. Die haben überhaupt keine Plattform mehr, wenn wir jetzt angefangen hätten, hätten wir es bestimmt auch sehr schwer. Wir konnten früher ohne Plattenvertrag gleich mit einer Band wie den „Cramps“ auf Tour gehen, so etwas geht heute nicht mehr und wenn nur mit Geld, welches junge Bands einfach nicht haben… woher auch? Das finde ich relativ schäbig, wie das in Deutschland so ist. Wir hatten bei „SMILE“ die Auswahl zwischen mehreren Labels, welche alle unsere Platte raus bringen wollten. Das würde ich anderen Bands auch wünschen! Klar, es ist zwar gut für uns, aber ich frage mich, wo das alles noch hinführt, da es irgendwann einfach keine guten Nachwuchskünstler mehr geben wird. Letztes und vorletztes Jahr war es in Deutschland so, dass es kein Newcomer mehr geschafft hat 100.000 Platten zu verkaufen und das in einem Land mit fast 90 Million Einwohnern. Die CD Verkäufe gehen immer weiter runter und die Studios wie auch die ganzen anderen Dinge, um eine Band zu betreiben werden parallel dazu immer teurer.

WORIN SIEHST DU DIE GRÜNDE FÜR DIESE ENTWICKLUNG?

Dies hat zweierlei Ursachen und zwar: gute Studios wie zum Beispiel das „Soundgarden“ in Hamburg, in dem wir unser letztes Album „Favourite Enemy“ aufgenommen haben, mussten schließen. Es war ein großartiges Studio. Dort haben unter anderem Blumfeld und Tocotronic ihre Alben aufgenommen. Außerdem gibt es keinen guten Musik Sender mehr. MTV ist einfach nur noch „Date my Mom, Pimp my Ride, super sweet sixteen…“ Du kannst dir nur den Finger in Hals stecken, weil das hat absolut nichts mit Musik TV zu tun. Es ist zwar in Ordnung, aber erfüllt meiner Meinung nach einfach nicht seinen Auftrag. Es werden in der Woche vielleicht fünf neue Musik Videos gezeigt, aber dann von großen und bekannten Künstlern wie Beyoncé, Depeche Mode und so weiter. Also Künstler, die sowieso ganz groß vermarktet werden. Ja und klar das Internet gibt es, aber das ist auch dicht. Das Märchen von „Ey, du kannst es übers Internet schaffen“ ist wirklich nur ein Märchen, denn wie viele Künstler haben das bitteschön geschafft? Das waren vielleicht vier oder fünf wie Lily Allen, Arctic Monkeys und Gnarls Barkley, aber wie viele 100 Millionen Bands gibt es bitte! Also Internet forget it, du kannst zwar viel darüber machen und pflegen, aber das ist alles nicht echt, es fehlen halt ein guter Musiksender und Auftrittsmöglichkeiten.

GIBT ES EINEN KÜNSTLER ODER EINE BAND, MIT DEM/ DER IHR GERNE MAL ZUSAMMEN ARBEITEN WÜRDET?

Es gibt viele tolle Künstler und Produzenten. Ich würde gerne mal mit dem Produzenten „Butch Vig“ zusammen arbeiten, er hat „Nevermind“ von Nirvana aufgenommen und mir ist einfach nicht klar, wie er es geschafft hat, 1991 so einen unglaublichen Sound abzuliefern. Ich würde auch gerne mal mit „John Leki“ aufnehmen, der hat früher Radiohead Platten und frühere „Youth“ Platten recordet und bietet auch einen unglaublichen Sound. Der Klang beeindruckt mich unwahrscheinlich und ansonsten sind wir da sehr offen. Wir haben auch schon viel mit Elektroleuten zu tun gehabt und werden auch wieder wie auch schon auf den beiden vorherigen Alben einen Remix machen. Das Gute ist bestimmt auch, dass wir nicht engstirnig sind. Es gibt bei uns in der Band verschiedene Strömungen. Natürlich gefällt einem zuerst die Musik am besten, die man selber macht, aber mir gefällt auch Musik die auf dem ersten Blick vielleicht gar nicht so viel mit den Trashmonkeys zu tun hat, ob das Death Punk ist oder was auch immer. Ich glaube es ist sowieso sehr gut, wenn man als Künstler auch andere Dinge mit einfließen lässt, offen ist und die Dinge aus einer ganz entspannten Sicht sieht. Man sollte sich als Musiker einfach nicht zu wichtig sehen und nicht denken die ganze Welt dreht sich um einen selbst, denn das ist natürlich der reinste Quatsch, aber vielleicht ist das auch so eine menschliche Reife die gerade bei mir entsteht. Ich nehme das alles nicht mehr so wichtig, ohne jetzt aber die Zügel locker zu lassen.

WIE IST DAS TOURLEBEN FÜR DICH UND BIST DU ZUVOR AUFGEREGT?

Vielleicht bin ich kurz vorher ein bisschen nervös. Unser letztes Konzert hatten wir nämlich im Februar in Berlin. Dort spielten wir einen geheimen Gig. Wir sind schon richtig heiß drauf wieder live zu spielen. Ich freue mich auf die Tour und denke es wird auf jeden Fall klasse.

WIE KANN MAN SICH DAS TOURLEBEN VORSTELLEN?

Die kommende Tour wird eine Nightliner-Tour, das heißt, wir sind mit einem Bus unterwegs, in dem wir dann auch alle schlafen. Ich bin gespannt, wie es wird, denn normalerweise ist es so, dass man in einer Stadt ankommt, abends nach dem Konzert ins Hotel geht und am nächsten Tag in die nächste Stadt fährt. Dieses Mal wird es so sein, dass wir schon in der nächsten Stadt aufwachen, da der Bus nach dem Konzert nachts um 2:00 Uhr los fährt. Normalerweise touren wir mit einem großen Sprinter, welchen wir uns letztes Jahr zugelegt haben. Es ist ein schönes Leben, früher konnte ich das alles noch nicht so gut genießen, aber jetzt sehe ich alles viel entspannter. Man denkt irgendwie, man hat die größten Sorgen der Welt, aber wenn man sich mal umschaut und sieht, wie es anderen Menschen geht, sollte man wirklich mal die Klappe halten und einfach dankbar sein. In meinem Leben hatte ich jetzt bestimmt schon 300 – 400 Auftritte und hoffe, wir machen die 1000 voll. Ich wünsche mir, dass wir gesund bleiben und dass es weiter bergauf geht.

WAS WÄRE DEIN GRÖSSTER TRAUM?

Mein größter Traum wäre es, dass bestimmte Sachen wieder so werden wie früher und ich bin ganz bestimmt kein Mensch, der sagt „früher war alles besser“, denn so was hasse ich. Aber ein paar Sachen waren auf jeden Fall besser. Zum Beispiel das Entdecken von Musik war nicht so austauschbar, viele Menschen haben heutzutage keine einzige CD. Es gab zwei große Musiksender, die konkurriert haben. Für coole Video Clips gibt es heute keine Plattform mehr, da im Fernsehen kaum Musik gespielt wird, außer vielleicht „DSDS“, aber selbst ein Thomas Godoj schafft gerade mal so Gold und dafür ist eine Fernsehberieselung mit 5 – 8 Millionen Zuschauern nötig und das über mehrere Monate… wie wenig ist dann bitte Gold, oder Doppelgold? Das steht doch in keiner Realisation.

VIELEN DANK, GUNNAR FÜR DIESES AUFSCHLUSSREICHE INTERVIEW. ICH WÜNSCHE DIR UND DEN ANDEREN JUNGS WEITERHIN ALLES, ALLES GUTE UND VIEL ERFOLG!

Ramona Lang (26.03.2009).

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