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Festivalbericht: 12. Mighty Sounds 2016 – Tschechien

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Ein Ausflug ins südböhmische Tábor in Tschechien stellt sicherlich eine ungewöhnliche Anreise für musikbegeisterte Freizeitcamper dar. Doch so ungewöhnlich wie es scheint, war es letztendendlich gar nicht, obwohl das Mighty Sounds Festival dazu beiträgt, durch seine regionale Verwurzelung den kulturellen Horizont seiner Besucher zu erweitern. Das Außergewöhnliche am Mighty Sounds lag für uns nach vier tollen Festivaltagen vor allem darin, etwas Neues kennenzulernen, das sich von den vielen deutschen Festivals unterscheidet. Diese Unterscheidung war u.a. daran festzumachen, dass das Festival ein großes Publikum aus Osteuropa anspricht, das dem Ganzen seinen eigenen Charakter verleiht. Trotz alledem zieht das Mighty Sounds durch seine internationale Ausrichtung auch ein breites Publikum aus ganz Europa an und trägt somit zu einem interkulturellen Austausch bei.

Einen ebenfalls eigenen Charakter hatte das Angebot an Speisen und Getränken. Neben der gewöhnlichen Festivalverpflegung konnten dabei viele lokale, kulinarische Spezialitäten die Besucher überzeugen. Wer behaupten kann auf einem Festival bisher feinstes Gulasch mit Knödeln gegessen zu haben, der kann uns das gerne mitteilen. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur zünftige böhmische Hausmannskost auf der Speisekarte stand. Vor allem die Vielfalt an vegetarischen Speisen war sehr ansprechend und die vegane Konditorei lockte mit besonders leckeren Torten.

mighty (5)Ein musikalisches Highlight, das wir uns auf dem Mighty Sounds genauer angesehen haben, war der Auftritt von Irie Révoltés. Die Heidelberger Band, bestehend aus den beiden Brüdern Carlito und Mal Élevé, hat sich bereits seit einigen Jahren in Deutschland einen Namen gemacht und treten mittlerweile zum wiederholten Mal auf dem Mighty Sounds auf. Die Hauptbühne des Festivals war an diesem frühen Samstagabend bereits gut gefüllt, und zahlreiche Fans fieberten dem Auftritt von Irie Révoltés entgegen. Mit ihrem Stil aus Hip Hop, Reggae, Dance Hall, Ska und Elektro, sowie ihrem Gesang auf Deutsch und Französisch ergriffen sie sofort die Initiative und setzten dabei eine unglaubliche Energie frei. Diese Energie transportierten die beiden Frontmänner bereits mit ihrem Auftaktsong „Ruhe vor dem Sturm“ zum Publikum, das sich in eine tanzende und springende Masse verwandelte. Dies sollte sich über den gesamten Zeitraum des einstündigen Konzertes nicht ändern und forderte nicht nur von den beiden Sängern eine gute Kondition ab.

mighty (6)Eines der weiteren Lieder war „Mouvement Mondial“, was die sozialkritische Haltung von Irie Révoltés hervorhebt, in dem sie zu einem globalen Protest aufrufen und sich für mehr Zusammenhalt einsetzen. Das politische Standing der Band, das sie durch ihre Liedtexte sowie durch Ansagen an das Publikum weitergaben, wurde u.a. auch durch eine „Refugees Welcome“ Fahne hervorgehoben. Carlito und Mal Élevé forderten dabei eine Welt ohne Grenzen und warnten vor dem zunehmenden Rechtspopulismus in Europa. Der Song „Antifaschist“ reihte sich dabei in einen thematisch ähnlichen Kontext ein und „Travailler“ kritisiert den zunehmenden Arbeitsdruck und Konkurrenzkampf in unserer Gesellschaft. Der Song „Rebel“ dagegen nimmt sich dem unliebsamen Thema von Sexismus und Homophobie im Hip Hop und Reggae an und wurde als eines der bekanntesten Lieder von Irie Révoltés frenetisch gefeiert.

mighty (10)„Rebel“ ist gleichzeitig auch der Song, der für das Projekt „Make Some Noice“ steht, das u.a. von Irie Révoltés mit ins Leben gerufen wurde. Dabei geht es darum, das Schweigen über diskriminierende Texte in der Hip Hop- und Reggae-Szene zu brechen und gleichzeitig einen Gegenpol zu bieten. Das Projekt gibt zudem Anlass zu einer Auseinandersetzung mit der Problematik und stärkt eine Positionierung gegen sexistisches sowie, trans- und homophobes Verhalten. Dieses Engagement finden wir klasse und sind der Meinung, dass dies einer Heldentat gleichkommt, da es einen dringenden Bedarf gibt diese Missstände im Hip Hop und Reggae anzusprechen und zu diskutieren. Ebenfalls möchten wir gern auf die weiteren Initiativen die Irie Révoltés unterstützen hinweisen. Hierbei gehört auch die Organisation „Viva Con Agua„, die sich für sauberes Trinkwasser in benachteiligten Ländern einsetzt, sowie das Projekt „Rollis für Afrika„, das zu einer besseren Lebensqualität von körperlich beeinträchtigten Menschen im Senegal beiträgt.

mighty (11)Bei der Vielzahl an Bühnen und Bands war es uns unmöglich alles mitzubekommen. Besonders in Erinnerung blieben uns jedoch die kolumbianische Ska-Punk Band „Skampida“, die Sonntagmittag mit ihrem treibenden, tanzbaren Latinosound, das verkaterte Festival lautstark aufweckte. Dieser Kater resultierte wohl aus der verregneten Nacht von Samstag auf Sonntag, die ausgelassen vor den Bühnen gefeiert wurde.

mighty (2)Einige Festivalbesucher tanzten bei strömenden Regen im Schlamm während des Auftritts der Frankfurter Streetpunk Band „Stage Bottles“ und sangen zu den Hymnen wie „Solidarity“ und „Sometimes Antisocial But Always Antifascist“. Andere zog es ins trockene Zelt zum Auftritt der finnischen Band „The Valkyrians“, die Coverversionen von bekannten Punk-Rock Songs in Ska und Rocksteady-Versionen zum Besten gaben.

Der Freitagabend dagegen stand im Zeichen von Julian Marley, dem Sohn des großen Bob Marleys, der mit jamaikanischen Rootsreggae den Festivalbesuchern eine weitere musikalische Facette bescherte.

mighty (12)Letztendlich macht die subkulturelle Mischung der Bands und Festivalbesucher, die weitestgehend eine sozialkritische Haltung eint, das Festival besonders. Leider kann dieser Festivalbericht nur einen kleinen Einblick über unsere durchweg positiven Erlebnisse beim Mighty Sounds geben und es gäbe sicherlich noch endlos viele Anekdoten und Berichte, die eine Erwähnung wert wären. Verschafft Euch am besten nächstes Jahr selber einen eigenen Eindruck und feiert mit.

 

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