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Akne – The old kid Akne

An die 50% von euch, die über die Google-Frage „was Hilft gegen Akne?“ hier her gelangt sind: Tüte über’n Kopf – fertig!

Alle anderen rap-begeisterten unter euch, werden wohl wissen, dass sich hinter Akne nicht nur eine äußerst attraktive Hautkrankheit, sondern auch ein langjähriger, vor allem im VBT etablierter Rapper verbirgt.
Erst eben stand dieser mit seiner Crew „Royalfam“ im Halbfinale des diesjährigen VBTs. Quasi die beste Promo, die er für sein neues Album „The old kid Akne“ machen konnte.

Ich habe mir den Braten von ihm persönlichen liefern lassen (Danke nochmal!) und werde mich nun mit Messer und Gabel daran machen, diesen bis auf die Knochen zu zerlegen. Natürlich ändert die Bestechungsgebür in Höhe von 27 Kronkorken nichts an meiner Objektivität: KAUFT DAS DING! KAUFT DAS DING! KAUFT DAS DING!

So, Gras bei Seite – und play!
Wem Akne immernoch nichts sagte (hihi das reimt sich), weiß spätestens nach dem ersten Track Bescheid: Wie man seiner Selbstdiagnose entnehmen kann, handelt es sich um einen intelligenten, rapliebenden Hamburger Jung‘, der sich gerne mal einen hinter die Birne kippt. Ja, das ist auch schon alles was bei mir hängen bleibt. Das ganze mit diesem chilligen Beat hinterlegt käme dennoch sehr angenehm ans Ohr – wäre da blos nicht diese Hook. Oder besser gesagt, das jeweils letzte gesungene Wort in dieser. Das klingt so schief, da schämt sich ganz Pisa für. Hoffen wir mal, dass nicht das ganze Album auf diese „Gesangskünste“ aufbaut.
Hui, jetzt legt der Milchbengel Ultra los und zeigt bereits im zweiten Track warum er zur VBT-Elite zählt: Schöne Punchlines, abwechslungsreiche Flowvariationen und schön übertriebene Selbsteinschätzung.
„Ich wollte nacktbaden, doch geh ich im Sommer schwimm‘ / schreit man zwei Meter weiter ‚hey, hier ist ’ne Anakonda drin!'“
Oh – und an dieser Stelle nehme ich das mit den ironischen „Gesangskünsten“ schnell wieder zurück. Auch in dieser Hook singt er wieder zwei, drei Wörter. Diese klingen aber verdammt geil auf den Beat! Damit steht es eins zu eins und ich ohrfeige mich selbst für mein zu frühes Urteil. Der Track kommt gut rein, ich selbst halte aber nicht viel von Battlerap – schon garnicht auf einem Album – sondern erhoffe mir immer etwas Kreativität rauszuhören.

Um so erfreuter höre ich den Märchenprinzen im nächsten Track von Prinzessinnenbett zu Prinzessinnenbett hopsen. Unzählige Märchen begleiten ihn kreativ auf der Jagd nach der Einen („mit Apple in der Hand – mein ganz persönliches Schneewittchen“, „ich bin der Froschkönig – ein Kuss sollte mein Leben ändern“), ehe diese sich als Eisprinzessin entpuppt und den Spieß umdreht.

Man könnte Akne bei der Planung des Albums etwas Sexismus unterwerfen – oder ist es Zufall dass nach den Frauen nun das Thema „Küche“ abgespeist wird? „Gerüchteküche“ um genau zu sein. Du hast gehört hat man aber leider in verschiedenen Formen schon von gefühlt jedem Rapper gehört, weshalb ich mir den Track auch höchstens als Background-Musik zum Chillen erneut geben werde.
Nach dem Korb der Eisprinzessin findet Akne im nächsten Track nun doch noch seine Traumfrau – und zwar in Uniform. Sehr coole Idee, „ACAB“ mal kurz in „all cops are beautiful“ abzuändern und sich durch kleine Interpretationsfehler mal eben in einem riesen Flirt mit einer Polizistin wieder zu finden. „Personenkontrolle? Kleine du bist so durschaubar / du kannst mich doch auch so fragen ob ich zur Zeit ’ne Frau hab!“ und besonders „…ich fände dich auch reizend ohne Gas in meinen Augen!“. Herrlich!


Ein bisschen gruselig wird der Besuch im Suicide Circus, in welchem neben Akne auch Juskah und Tom Thaler die Manege betreten. Vorallem von dem letztererem dem ihm sein (was auch immer) Über-Part macht diesen Track zu meinem Favoriten des Albums. Ich kannte Tom Thaler bisher nicht – es war aber Liebe auf den ersten Kick. Auch die anderen beiden Mitglieder des etwas verstörenden Zirkuses überzeugen und runden mit dem düsteren Beat einen perfekten Song ab.

Actionreich geht es weiter. 300 kündigt im Titel als auch inhaltlich eine gnadenlose Schlacht an, endet dann aber eher in einer Kapitulation. Denn, wie bei den anderen Tracks auch schon vorsichtig registriert und hier nun deutlich rauszuhören, rennt Akne gerne mal ein bisschen dem Beat davon. Bisher habe ich das noch nicht angesprochen, denn zwischendurch kamen dann immer wieder Momente, an denen der Einsatz und das Tempo gerade zu perfekt waren…. Ich weiß noch nicht wie ich das gesamt einstufen soll, werde das also aufmerksam im Ohr behalten.

Nun zeigt uns Akne seinen Alltag in Asozialien. Wie im Intro schon angedeutet, sieht dieser sehr alkoholreich aus. „Ich feier den Kater, als wärn‘ die Backstreetboys noch in“ – versteht ihr? Kater, wie „Carter“. Wie „Nick Carter“. Einer der Sänger von…. Ach, vergesst es. Auch hier wieder ein sehr geiler Beat der sogar etwas Drum&Bassig wird. Überhaupt ist die Beatwahl des Albums sehr gelungen, muss auch mal gesagt sein!
Oh, kaum ausgesprochen muss ich das wohl wieder zurück nehmen. Obdimuss Crime kommt mit einem so kaputten Beat daher, der kann eigentlich nur von Dollar John sein. Feier ich sonst seine Beats so hart, gefällt mir dieser leider überhaupt nicht (sollte er nicht von John sein, werft mich bitte Beine spreizend ins Gurkenfeld!). Auch inhaltlich kann ich nicht viel damit anfangen. Neben Akne lassen Dollar John und Beckmann wie gewohnt ihren Aggressionen freien lauf – nach dreimaligen Hören weiß ich aber immernoch nicht, was genau ich mir da eben angehört habe. Für ein Freetrack ist das sicher ganz cool – aber sowas muss man wirklich nicht auf ein Album packen. Das kann leider auch Tom Thaler mit seinem zweiten Gastpart nicht mehr retten, der selbst über einen Akkuschrauber im Urwald rappen könnte und ich würde es feiern.

Nun wird es wieder emotionaler. In vor deiner Tür zeigt Akne, dass es auch in der Liebe Einbahnstraßen gibt und Gefühle nicht immer genau so stark erwidert werden. Sehr schönes Ding, das deutlich zeigt: In Akne steckt viel mehr als nur ein Battlerapper. Die Thematik gibt es aber leider ebenfalls bereits zu Hauf, wie auch die des nächsten Tracks Stalker. Das übliche Fanboy-Gelaber steht hier im Mittelpunkt – joa… Und das war’s dann auch schon. Die Schlusszeile hiervon möchte ich aber noch hervorheben: „Glaubt bitte nicht dass ich euch zum Musikmachen brauche!“ Hier kommt die Leidenschaft von Akne zur Musik schon fast Gänsehaut erzeugend zum Vorschein – und man glaubt ihm das einfach zu 100%.

Zum Abschluss analysiert Akne noch sein berufliches und beziehungstechnisches Scheitern, was anfangs für mich nur nach einer einfachen Midlife-Crisis klingt. Ich denke aber viele Hörer werden sich darin wieder erkennen – und das macht den Track dann doch tiefsinniger als anfangs vermutet.

FAZIT:
Alles in allem kann man sich das Album sehr gut geben. Vorallem die Qualität (sehr klare Aufnahme und sauber abgemischt) spielt in einer ganz hohen Liga – ich würde sogar sagen: Das Beste an Qualität das ich bisher aus der VBT-Generation entnehmen konnte. Akne ist mehr als nur ein Battlerapper und das versucht er hier ganz deutlich zu zeigen. Es gelingt ihm zwar nicht immer, da viele angesprochenen Themen einfach schon längst ausgelutscht sind – doch auf Songs wie Märchenprinz oder ACAB erkennt man doch deutlich wie sich Kreativität und der Drang zu Neuem durchkämpft. Die Beatwahl ist ausgezeichnet, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und gleicht in keinster Weise dem ganzen rappers.in Standard (großes Kompliment an die Producer).
Obdimuss Crime zieht das Album aber wirklich ein Stück runter – das muss ich jetzt noch mal so deutlich sagen. Der Track hätte da nicht drauf müssen und passt auch einfach nicht in das Gesamtbild.

Aber ansonsten bin ich auf jeden Fall positiv überrascht. Jeder der Akne nur aus VBT-Welten kennt, sollte sich das Album mal zu Herzen nehmen. Achja, alle anderen natürlich auch.

Bewertung vom fetten Galileo-Menschen: 3 von 5 Pizzen.

Das Album gibts für 10€ (+ Versand). Einfach eine Mail an shirts@royalfam.de schicken.

Tracklist:
01 – Akne One
02 – Milchbengel Ultras
03 – Märchenprinz
04 – Du hast gehört
05 – ACAB
06 – Ninja Baby
07 – Suicide Circus
08 – 300 RMX
09 – Asozialien
10 – Obdimuss Crime
11 – Vor deiner Tür
12 – Stalker
13 – Comunio Trainer

Hier geht’s zum Snippet

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